Wird diese Nachricht nicht richtig dargestellt, klicken Sie bitte hier.
Foto: stock.adobe.com

Vielleicht kennst du das auch, diesen Zustand, den ich als das „permanente Rauschen“ bezeichne. Mein Leben fühlt sich an wie ein Browser-Tab, in dem gleichzeitig zwanzig verschiedene Fenster offen sind:
In einem läuft die politische Strategie-Frage für „die nächste Kampagne“, im anderen die Planung eines Kulturprojekts, in einem dritten die privaten Verpflichtungen und in einem vierten ein tiefer, existentieller Zweifel darüber, ob ich eigentlich genug Wasser getrunken habe.

Es ist ein 24/7-Modus, eine Art chronische Erreichbarkeit, bei der die Grenze zwischen „Ich bin gerade privat“ und „Ich bin gerade politisch aktiv“ so dünn geworden ist, dass sie praktisch nicht mehr existiert. Ich bin nicht mehr nur Teil einer Bewegung, ich bin die Bewegung – inklusive der damit verbundenen Hektik.
Und dann, völlig unangekündigt und ohne jede logische Vorwarnung, passiert es: Ich starre die Wand an. Ich sitze auf dem Sofa und stelle fest, dass ich absolut nichts tue. Und ich will nichts tun. Und da draußen vor dem Fenster, all die Orte an denen Optimierung das höchste Gut ist und jede freie Minute in ein „Self-Care-Ritual“ oder ein „Networking-Event“ verwandelt werden müssen. Da wirkt mein plötzliche Nichts-Tun ja fast schon wie ein Akt der Rebellion. Oder womöglich wie ein medizinischer Notfall?

Wenn ich nichts tue, stellt sich sofort die Frage: Verpasse ich gerade die Welt? Während ich hier sitze und die Muster im Teppich studiere, wird vermutlich gerade eine wegweisende Entscheidung getroffen, ein wichtiger Diskurs gestartet oder jemand anderes hat eine Idee, die die Welt rettet – und ich bin nicht dabei – „weg vom Fenster“. In der politischen und kulturellen Blase ist Sichtbarkeit oft gleichbedeutend mit Existenz. Wer nicht postet, nicht kommentiert, nicht in der Arbeitsgruppe sitzt und nicht bei jedem Event mit einem leicht erschöpften, aber entschlossenen Gesichtsausdruck erscheint, läuft Gefahr, aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht zu werden.
Und jetzt wird’s irre: Ich predige die Entschleunigung, ich forder eine bessere Work-Life-Balance und ich warne vor dem Burnout – aber sobald ich selbst in den Modus der absoluten Passivität verfalle, fühle ich mich wie ein Versager im eigenen Leben. Ich versuche sogar, das Nichtstun zu optimieren. „Ich mache jetzt ganz bewusst eine Pause“, sag ich mir, während ich gleichzeitig die Uhr stoppe, um zu wissen, wann ich wieder „produktiv-erholt“ bin. ICH MACHE AUS DER LEERE EIN PROJEKT.

»Letztendlich ist das Nichtstun vielleicht die radikalste Form der Selbstfürsorge.«

Aber was kann ich eigentlich tun, wenn ich nichts tue? Die Antwort ist simpel, aber sie erschreckt mich: Ich kann genau das tun – nichts. Ich kann zusehen, wie die Welt sich ohne meine Beteiligung für einen Moment weiterdreht. Es ist gut zu wissen, dass das Geschehen rundherum nicht kollabiert, nur weil ich einmal nicht die Moderation übernehme oder eine E-Mail unbeantwortet lasse. Vielleicht verpasse ich tatsächlich etwas, aber vielleicht gewinne ich dadurch etwas viel Wichtigeres zurück: mich selbst.
Denn im permanenten Rauschen zwischen Politik, Kultur und Alltag geht die eigene Stimme oft unter. Man wird zum Echo der Erwartungen anderer. Das bewusste (oder unbewusste) Nichtstun ist der einzige Moment, in dem man nicht mehr „funktioniert“. Es ist der Moment, in dem man nicht mehr die Funktion des „Aktiven“, des „Organisierenden“ oder des „Kulturellen Vermittlers“ ausfüllt, sondern einfach nur ein Mensch ist, der gerade sehr intensiv die Stille genießt – oder sich fragt, warum eigentlich Schnecken sich so langsam bewegen und trotzdem vorwärts kommen.

Letztendlich ist das Nichtstun vielleicht die radikalste Form der Selbstfürsorge. Es ist das Eingeständnis, dass man nicht die gesamte Welt auf den eigenen Schultern tragen muss – zumindest nicht an diesem Freitag zwischen 14 und 16 Uhr. Wer lernt, das Gefühl, „weg vom Fenster“ zu sein, nicht als Verlust, sondern als Luxus zu begreifen, hat den ultimativen Hack gegen den Stress gefunden.

CONCLUSIO: Wenn ich mich das nächste Mal dabei ertappe, dass ich absolut gar nichts tue – herzlichen Glückwunsch. Dann bin ich gerade dabei, die wichtigste Aufgabe des Tages zu erledigen.


Und du so? ...
Euer Letterman

Grüner Stammtisch – bist du dabei?
Hier trifft man sich, quatscht, knüpft Kontakte und schmiedet Pläne für eine bessere Welt. Ob alte Hasen oder Neulinge – alle sind willkommen, um Politik mal ganz praktisch anzupacken. Damit wir nicht nur meckern, sondern auch was bewegen. Vor der Haustür und darüber hinaus.
Und das Beste: Jeder kann mitmachen, jeder kann was einbringen. Hier wird aus „Könnte man nicht…?“ ein „Lass uns das einfach machen!“.

Die nächste Gelegenheit ist diese:

27.8. / ab 18:30 ROSI
Weberstraße 18

Übrigens: Das berühmt berüchtigte Nordtreffen gibt es auch noch. Dazu dann aber mehr in der nächsten Grünen Woche.

SAVE THE DATE!

Wie soll Arbeit die Gesellschaft der Zukunft prägen – und welche politischen Rahmenbedingungen brauchen wir dafür? Die beabsichtigten Reformen der Bundesregierung zu den Themen Arbeitszeit, Krankheit und Rente stoßen bundesweit auf Diskussionen, denn sie berühren zentrale Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Gesundheit, Vereinbarkeit und Mitbestimmung.

In einer gemeinsamen Veranstaltung des Kreisverbands Gelsenkirchen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und des DGB Emscher-Lippe wollen wir mit Ihnen und Euch darüber sprechen, wie eine zukunftsfähige Arbeitsgesellschaft aussehen kann – und welche normativen Leitplanken sie braucht.

Als Keyspeakerin und Expertin aus der Wissenschaft begrüßen wir Michaela Evans-Borchers, Direktorin des Forschungsschwerpunktes Arbeit & Wandel an der Westfälischen Hochschule.

Sie stellt ihre Studie vor: Fachkräfte gesucht: Potenziale für Jobs in Energiewende und sozialer Daseinsvorsorge heben!

Ebenso freuen wir uns auf unsere weiteren Podiumsteilnehmer*innen aus den Gewerkschaften für eine Debatte bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die auch für Beiträge aus dem Publikum offen ist.
Die Moderation und politische Einordnung übernehmen Mark Rosendahl, Geschäftsführer der DGB-Region Emscher-Lippe, sowie Irene Mihalic, grüne Bundestagsabgeordnete aus Gelsenkirchen.

Eine Anmeldung hilft bei den organisatorischen Vorbereitungen und kann per Mail an recklinghausen@dgb.de erfolgen.

DAS GRÜNE WOCHE HOROSKOP

Foto: stock.adobe.com / besternt mit dem KI-Grünerator

Wie uns die Sterne stehen – Der Wochenausblick: 
Zwischen kommunaler Wirklichkeit und Wirksamkeit

Die Sterne in der Woche vom 24. – 30. August flüstern dies: Die Kommunalpolitik ist kein Schwimmbecken, in dem man sich einfach treiben lässt – auch nicht für Fische, die noch nie das Seepferdchen gemacht haben. Doch keine Sorge: Wer sich mit Empathie und Intuition einbringt, wird sogar ohne Schwimmflügel im politischen Becken nicht untergehen. Vielleicht hilft es, sich einfach mal auf den Strom der Ideen einzulassen – statt gegen ihn anzuschwimmen.

⭐Zwischen Beharrlichkeit und Abgrund
Stiere, ihr seid bekannt für eure Beharrlichkeit, aber muss alles immer ein Kampf sein? Diese Woche lädt dazu ein, die Hörner mal einzuziehen und stattdessen mit bedachter Kraft zu wirken. Kommunale Politik braucht Ausdauer, aber auch die Bereitschaft, Kompromisse zu schmieden – sonst bleibt am Ende nur ein umgepflügter Acker, auf dem nichts mehr wächst. Skorpione, eure Tiefgründigkeit ist unbestritten, doch wo soll sie hinführen? In dieser Woche könnte sie euch helfen, unter der Oberfläche der kommunalen Debatten die wahren Bedürfnisse zu erkennen. Nutzt eure analytische Schärfe, um Lösungen zu finden, die nicht nur oberflächlich glänzen, sondern nachhaltig wirken – so wie ein gut durchdachter grünen Antrag, der mehr ist als nur heiße Luft.

⭐Vom Kopf zum Herzen
Wassermänner, eure Intellektualität ist ein Geschenk, doch manchmal braucht es mehr als nur kluge Gedanken. Diese Woche könnte der Moment sein, in dem ihr eure Ideen nicht nur diskutiert, sondern auch in die Tat umsetzt. Kommunalpolitik lebt von konkreten Schritten – also: Runter vom Elfenbeinturm und rein in die Gemeinde! Krebse, eure Empathie ist in der Kommunalpolitik Gold wert. Diese Woche wird sie besonders gefragt sein, wenn es darum geht, zwischen unterschiedlichen Interessen zu vermitteln. Doch Achtung: Zu viel Rücksichtnahme kann auch lähmen. Findet die Balance zwischen Mitgefühl und Entschlossenheit – sonst droht der Stillstand.

⭐Energie mit Strahlkraft
Löwen, eure Herzlichkeit kann diese Woche für eine grüne Kommune funkeln wie ein Solardach in der Mittagssonne. Nutzt eure Strahlkraft, um andere mitzureißen und gemeinsame Projekte voranzubringen. Doch denkt daran: Auch die lauteste Stimme braucht manchmal Pausen, um zuzuhören. Widder, euer Tatendrang ist ungebremst – und diese Woche habt ihr ganze sieben Tage, um ihn auszuleben. Doch Vorsicht: Zu viel Action kann auch in Chaos enden. Setzt eure Energie gezielt ein, um nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Ein gut geplanter Feldzug für mehr Fahrradwege ist besser als ein wildes durcheinander.

⭐Bilanz der Wirklichkeit
Am Wochenende verspricht uns der Himmel eine kleine Verschnaufpause. Nutzt die Zeit, um zurückzublicken: Was haben wir aus der kommunalen Wirklichkeit dieser Woche mitgenommen? Und wie können wir es in der nächsten Woche noch besser machen? Die grünen Sterne strahlen am hellsten, wenn wir nicht nur reden, sondern auch handeln – und dabei immer den Blick für das Große und Ganze behalten. Also: Auf in die nächste Runde, mit Mut, Verstand und einer Prise grüner Ironie!

GRÜN(es) LESEN

Am Puls der grünen Politik!

Du möchtest wissen, wie wir aktuelle Herausforderungen angehen und welche Lösungen wir für eine nachhaltige und gerechte Zukunft entwickeln? Im Grünblog findest du tiefgehende Analysen, spannende Einblicke in unsere politische Arbeit und inspirierende Impulse für deinen eigenen Aktivismus.

Egal ob fundierte Hintergrundinfos zu aktuellen Debatten oder praktische Tipps für die Basisarbeit – wir vernetzen Wissen und Leidenschaft. Lies mit, diskutiere mit und lass dich inspirieren, wie wir gemeinsam gesellschaftlichen Wandel gestalten.

Jetzt reinschauen und vernetzen:

https://gruenblog.com/feed-for-thought/

https://gruenblog.com/wohnungen-statt-leerstand/

Tut Gutes, um unsere Stadt grüner zu gestalten.
Deine Spende macht's.


Ob als Mitglied oder Sympathisant*in: Dein Beitrag stärkt Sichtbarkeit und Einfluss unserer Arbeit. Deine Spende hilft, um Veranstaltungen, öffentliche Präsenz, den kommenden Landtagswahlkampf und noch mehr Dialog zu ermöglichen: Infoveranstaltungen, Debatten, Aktionen vor Ort, transparente Kommunikation und und und.
Jede Spende – so viel du kannst, so viel du willst – macht mehr Grün in Gelsenkirchen – und im Land.

Vielen Dank für deine Unterstützung!💚

➡️ Wie und wohin du spenden kannst

„Der Tag von oben“

Sophia Merwald liest im Jahnbad

An einem Sommertag schwimmen plötzlich Haie in einem Gelsenkirchener Freibad. Zwischen ihren großen Gebissen, dem Chlorgeruch und rostigen Düsen formt sich Sophia­ Merwalds Blick auf das Ruhrgebiet und das Erzählen: Aus Beton wird Meer, aus Menschen Fabelwesen und der Alltag wird seltsame Poesie.

Im Austausch mit ihren eigenen Fotografien – Aufnahmen von Häusern und dem Licht über der Stadt – entfaltet „Der Tag von oben“ ein urbanes Porträt, bei dem Wärme so viel zählt wie feine Distanziertheit. Darunter liegt ein leises Staunen über die Ewigkeit und den Verlauf der Zeit, das die Ränder des Wirklichen verschwimmen lässt.
Sophia Merwald liest zum Ende der Freibadsaison aus ihrem neuen Buch über Gelsenkirchen, das Ruhrgebiet und das Erzählen.

29. August / 20:00
Jahnbad
Kanzlerstr. 46
Eintritt frei, eigene Getränke, Snacks und
Liegedecken können mitgebracht werden!

Sophia Merwald studierte Journalistik sowie Film- und Medienkultur-Forschung und ­arbeitet als Schriftstellerin. ­Ihr erster Roman Sperrgut (park x ullstein, 2026) wurde ­bereits vor Erscheinen mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Alfred-Döblin-Preis. Sie lebt und arbeitet in München. Der Tag von oben geht auf ihre Zeit als Writer in Residence 2025 in Gelsenkirchen zurück.

HINWEISE ZUM GEBRAUCH:

Die Grüne Woche lebt auch von eurem Mittun:
Der Letterman freut sich nicht nur über eure kritischen Kommentare, sondern eben auch über Hinweise zu Veranstaltungen, Treffen, einfachen Zusammenkünften und und und ... Sendet diese bitte jeweils bis spätestens donnerstags ganz einfach an diegruenewoche@gruenege.de

Die GRÜNE WOCHE #36 kommt am 28.8. direkt in dein Postfach.

Hinweis: Teile der Texte dieser Grünen Woche sind mit Hilfe des Grünerators (Grüne-KI) erstellt.
 
 
Bündnis 90/DIE GRÜNEN Gelsenkirchen
Christoph Lammert
Ebertstraße 28
45879 Gelsenkirchen
Deutschland
kv@gruenege.de
www.gruenege.de