|
Oder: Vom Versuch, sich in den Frühling fallen zu lassen
Vor ein paar Tagen bin ich eine Treppe heruntergestürzt und habe mir eine Ellenbogenfraktur eingehandelt. Das muss natürlich korrigiert werden und braucht eine OP. War vielleicht nicht die beste Methode, kopfüber in den Frühling zu springen — aber hey, wer braucht schon eine normale Einweihung, wenn man doch eine gelenkige Frühlings-Performance (drauf) hat?
Nun, am 1. März beginnt der meteorologische Frühling, und alles wird grün.
Und wenn ich jetzt nochmal versuche, mich in den Frühling fallen zu lassen, mache ich das mit links (naja, fast), auf einem Stuhl sitzend, da der Arm noch geschont werden muss. Der Frühling, dieses grüne Mega-Update, breitet sich derweil aus wie eine grüne Fenstergläserfolie, die sich von selbst aufzieht. Plötzlich quetschen sich Knospen in jede Fuge, die Vögel geben Konzerte, als hätten sie gerade die App „sing your song“ entdeckt, und selbst der Wind scheint zu sagen: „Hey, hier kommt frische Luft mit gratis Pollen-Upgrade!“
Wir fühlen uns plötzlich inspiriert, Dinge zu tun, die wir im Winter nur vorgespielt haben: Fenster putzen, Balkonpflanzen kaufen, Treppen rauf rennen und runter stürzen :), eben neue sonnige Routine(n) entwickeln. Die Haut wird weicher von der Sonne, als hätte sie eine Hautpflege von Frühlingszwiebelduft bekommen. Und die Nase läuft, weil der Pollenkosmos auf Urlaub gegangen ist. Wir lachen über Kleinigkeiten, wie der Tatsache, dass Gras plötzlich wie ein Blumenstrauß auf dem Gehweg aussieht, der einen eigenen Teaser fürs Leben hat. Und Grünes wird zur Motivationsfarbe: Wir sagen uns selbst, wir könnten alles schaffen — nur mit der richtigen Portion Eis am Nachmittag und einem Tee, der nach Wald riecht.
Ich lasse mich also jetzt in den Frühling fallen, langsam, mit einem Blick auf das rote Kreuz neben der Treppe, das vielleicht sagen will: „Besser heute als morgen.“ Und während das Grün alles übermöbliert, klopfe ich mir selbst auf die Schulter: Ja, der Frühling macht uns verrückt – aber in der schönste Weise. Denn Grün bedeutet Neustart, Leichtigkeit und die leise Erinnerung: Selbst mit einer Armfraktur kann man die Welt mit einem Lächeln – und einem sehr, sehr ausgeklügelten Griff zum Pistazien-Eis – grüner machen und neu entdecken.
Two drifters, off to see the world There′s such a lot of world to see We′re after the same rainbow's end Waitin′ 'round the bend My huckleberry friend Moon river and me
Alles bleibt neu. Euer Letterman
|