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Das macht uns schon irgendwie irre. Wir leben in einer Welt, die sich gefühlt täglich verändert. Technik, Medien, Globalisierung und innere wie äußere Debatten um Werte und Ansprüche prägen unser Alltagsleben und das sog. Weltgeschehen stärker denn je. In diesem Spannungsfeld begegnen wir der Politik als einem Spiegel, der viel von uns reflektieren will – und womöglich deshalb oft widersprüchlich wirkt.
Politische Entscheidungen betreffen viele Ebenen – von lokaler bis internationaler Ebene. Oder, um hier gleich einmal das „schönste“ Wort dieser Tage zu benutzen: sie sind „komplex“. Zahlen, Kompromisse, Langzeitfolgen und Nebenfolgen lassen sich nicht in einfachen Slogans abbilden. Das hat aber auch zur Folge, dass wenn Erklärungen zu abgehoben oder zu abstrakt klingen, entsteht Frustration und Irritation, manchmal sogar Angst. Wir möchten meist sofortige Antworten, klare Entscheidungen und sichtbare Ergebnisse. Politik braucht jedoch Zeit, Prozesse und oft längere Verhandlungen. Wenn Ergebnisse dann doch noch erscheinen, wirken Entscheidungen oft „aus dem Nichts“ oder als Überraschung, und das macht uns womöglich misstrauisch und regt unsere Zweifel an. Unsere Gesellschaft ist plural geworden. Unterschiedliche Lebensentwürfe, Prioritäten und Meinungen prallen aufeinander. Was für den einen sinnvoll ist, erscheint dem anderen als Rückschritt. Diese Diversität, oder benennen wir es mal als Wertevielfalt, müsste ja eigentlich ein Ausdruck von Stärke sein, kann aber irritierend wirken, wenn Kommunikationsbrüche entstehen. Und dann noch die Medien (besonders die sog. Sozialen) – ein echter Information Overload. Tägliche Meldungen, Analysen, Meinungsbeiträge – oft widersprüchlich. Wir filtern, bewerten und bilden uns Meinungen. Doch häufig fehlt Zeit, Quellen zu prüfen, Kontext zu verstehen. Wenn das nicht verunsichert. Politische Diskurse sind oft von Polemik, Schlagzeilen oder parteipolitischen Interessen geprägt. Da wird es oft echt heikel mit dem Vertrauen und der Glaubwürdigkeit. Wenn Institutionen versagen oder Skandale auftauchen, schwindet Vertrauen. Wiedergewinnung von Glaubwürdigkeit erfordert Konsistenz, Transparenz und ehrliche Fehlerkultur.
Und was können wir tun, um weniger irritiert zu sein – sowohl als Bürger:innen als auch als Politiker:innen? Eigentlich einleuchtend, oftmals aber schwierig – und doch eine Anleitung zur Ermutigung: Mehr Dialog und Zuhören, Räume schaffen, in denen echte Gespräche stattfinden, statt Streitdebatten. Komplexitäten sichtbar machen, mit Erklärungen, Kontext, Auswirkungen im besten Falle praxisnah darstellen. Die Entscheidungswege, Kriterien und Abwägungen offenlegen. Eine werteorientierte Kommunikation pflegen, die Klarheit darüber verschafft, welche Werte hinter Entscheidungen stehen.
Am Ende hängt Politik doch daran, wie gut wir gemeinsam Lösungen finden, die unserer gemeinsamen Zukunft dienen. Irritation kann aber zum Anstoß werden: Sie muss uns immer daran erinnern, aktiv zu bleiben, nachzufragen und mitzugestalten.
Alles bleibt neu. Euer Letterman
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